Zu seiner Zeit war er hochverehrt, später wurde er nur noch als Vater eines berühmten Sohnes genannt, doch seit kurzem rückt sein Schaffen dank einer jungen Interpretengeneration wieder ins Bewusstsein: Alessandro Scarlatti (1660-1725) ist nicht nur Domenicos Vater, sondern eigenständiger, in vielem wegweisender Komponist unter anderem von 115 Opern, 150 Oratorien und 650 Kantaten. In den Werken für Tasteninstrumente, alle in seiner letzten Schaffensphase komponiert, zeigt sich Alessandro Scarlatti einerseits als Meister des traditionallen Stils (so in den Fugen), andrerseits fasziniert er durch subjektive kühne Expressivität in den freien Werken. Der in Treviso geborene und unter anderem in Basel ausgebildete, in Trossingen und Foggia lehrende Organist und Cembalist Andrea Marcon legt auf einer CD acht Kompositionen Alessandro Scarlatti vor. Das gewichtigste Opus ist die «Toccata per cembalo d'ottava stesa», eine magistrale Schöpfung von nicht weniger als 24 Minuten Aufführungsdauer, in der Scarlatti sämtliche Register kompositorischer und clavieristischer Brillanz zieht. Marcon interpretiert die Toccata auf einer modernen Kopie eines italienischen Cembalos aus dem Jahr 1697, die anderen Werke auf der 1733 fertiggestellten Pescetti-Orgel in San Giacomo zu Polcenigo. Als souveräner Anwalt dieser Musik reisst Marcon «improvisatorische» Agilität und sprühende gestalterische Phantasie.