24.10.1998

Tagesanzeiger

Der Komponist Gabriel Fauré wird vom Treya Quartet als Wegbereiter des (französischen ) Jazz vorgestellt - zu Recht. Selbst ein Student von Camille Saint-Saëns, hat er mit seiner Musik den Pfad gelegt, auf dem vor allem sein Schüler Ravel in die Richtung gehen konnte, die den Jazz so stark beeinflussen sollte, Aus den zahlreichen Liedern Faurés haben die vier Musiker zehn ausgewählt und behandelt, als ob es sich um Jazzstandards handeln würde. Faurés «Vorlagen» eignen sich gut als Ausgangspunkt für lyrische Jazzballaden. Der italienische Trompeter Paolo Fresu, der Pianist Peter Waters, der Bassist Tony Overwater und der deutsch-schweizerische Schlagzeuger Gilbert Paeffgen können oft nahe am Notentext bleiben: Sie übernehmen die originale Klavierbegleitung, die Trompete phrasiert die Melodie nach dem französischen Text, die Harmonien sind diesselben wie bei Fauré, nur werden sie als Begleitung anders rhythmisiert. Einerseits muss gelobt werden, mit wieviel Feingespür die Musiker vorgegangen sind. Eng schmiegen sich die Lieder in ihr neues Arrangement. Andererseits verblüfft, wieviel jazziges Potential in Faurés Kompositionen bereits angelegt ist. «Green» haben die Musiker quasi unverändert übernommen: die Trompete spielt die Melodie, das Klavier die Begleitung, et voilà, das reicht. Monsieur Fauré hat eine Jazzballade geschrieben.