Der vom Schallbecher gedämpfte Ton einer Trompete ist so etwas wie das Erkennungszeichen für modernen Jazz. Wenige Klangfarben signalisieren so deutlich wie diese, wo wir uns befinden: Miles Davis und Chet Baker lassen grüssen. Doch die Trompete des Treya Quartet spielt klassisch, d.h. ihre anmutig leichten Melodien stammen aus der klassischen Musik des 19. Jahrhunderts. Diese Lieder wurden von Gabriel Fauré, einem Musiker der bei Saint-Saëns in die Lehre ging und seinerseits später Maurice Ravel unterrichtete. Die Trompete spielt, was andere vor ihr ab Blatt sangen, von Improvisation bis dahin noch kein Ton. Aber es gibt mittlerweile auch im Jazz gewisse Elemente, die kann man nicht anders denn «klassisch» bezeichnen. Das klassische Jazzquartett beispielsweise besteht aus Klavier, Schlagzeug, Bass und eben einem Blasinstrument. Im vorliegenden Fall Paolo Fresu an Trompete und Flügelhorn. Beim Treya Quartett spürt man, dass die vier Musiker sich genau zuhören und mit grossem Feingefühl aufeinander eingehen. Faurés Lieder werden in der Bearbeitung von Pianist Peter Waters und dem Berner Schlagzeuger Gilbert Paeffgen zu Sommervögeln. Da schweben duftig leiche Gebilde im Sonnenschein, die eben erst einem Kokon von Weltschmerz entschlüpft sind. Und als ob damit der Entdeckungen noch nicht genug wären, tritt zur hervorragend gelungenen Verbindung von Klassik mit Jazz ein drittes Element hinzu. Es verbirgt sich im Namen des Quartetts: «Treya». Kommt das Wort nicht bekannt vor? Richtig, es ist der Vorname der an Krebs verstorbenen Treya Killam Wilber, die zusammen mit Ken Wilber über das Sterben so unerschrocken und berührend berichtet im Buch «Mut und Gnade». Der Verstorbenen zum Andenken erklingt diese Musik. Faurés Sommervögel umflattern ein Grab in den Rocky Mountains.