Der australische Konzertpianist Peter Waters ist zwar nicht der erste, der die Werke von Gabriel Fauré als ideale Vorlagen für Jazzimprovisationen entdeckt hat. Schon in den sechziger Jahren phantasierte der stark von der westeuropäischen Kunstmusik beeinflusste Pianist Bill Evans über die wunderbar eingängige Pavane des französischen Komponisten. Allerdings hat Waters mit seinem Treya Quartet ein abendfüllendes Fauré realisiert, das er am Freitag einem ganz kleinen Publikum im Hochhaus am Limmatplatz in Zürich vorstellte. Der Wahlschweizer mit besonderer Affinität zum Jazz und der einfühlsam-zurückhaltende Perkussionist Gilbert Paeffgen mussten zu den wunderbaren Melodien lediglich geeignete Harmonien finden, um aus Liedern wie «Adieu», «Les Berceaux» oder «Green» Jazzballaden zu machen. Harmonieprogressionen übrigens, die Faurés Liedern ohnehin schön inhärent sind. Das Resultat, das man auch auf einer soeben erschienenen Compact Disk überprüfen kann, wirkt dermassen harmonisch, dass einem der überstrapazierte Begriff «Crossover» schon gar nicht erst in den Sinn kommt. Als Haupsolist agierte der sardische Trompeter und Flügelhornspieler Paolo Fresu - eine Idealbesetzung. Sein wundervoller Klang und seine quasi gesungenen Linien passten in optimaler Weise zu diesen getragenen Liedern, die an diesem ruhigen Abend den Hauptbestandteil des Repertoires bildeten. Etwas lebhafter ging es bei Waters launiger Kombination eines rockigen Ostinatos aus «In a silent way» von Miles Davis und dem Beatles Hit «I saw her standing there» zu. Diese originelle Bearbeitung wirkte - bei allem Respekt - an diesem eher meditativen Abend leicht deplaciert. Ganz im Gegensatz übrigens zu zwei bemerkenswerten Kompositionen aus den Federn von Waters und Fresu.