7/1999

Klassik Heute

Zu dieser Prophezeiung gehört wenig Mut: Gabriel Fauré dürfte sich über die mehr oder weniger jazz-betonten Interpretationen seiner Werke freuen. Schliesslich hat er seine «Pavane» selbst freizügig arrangiert. Gewiss nimmt sich das Treya Quartet ein paar rhythmische Freiheiten und gestalterische Freiräume, aber es tritt dem Werk doch nie zu nah. Und diese verspielte Grundhaltung trifft auch die anderen Improvisationen rund um Fauré, ddie den Werken nie Gewalt antun. Paolo Fresus kammermusikalischer Trompetenton färbt die meisten Stücke melancholisch ein, aber Pianist Peter Waters sorgt dann mit rhythmischen Finessen dafür, dass alles über den Inseln der Traurigkeit schwebt. Ist das nun kammermusikalischer Jazz oder jazzige Kammermusik? In jedem Fall spannende Musik - die nicht neugierig macht auf die weitere Kompetenz des Treya Quartets, sondern auch auf die Originalgestalt der Fauré Stücke. Was kann sich ein Komponist besseres wünschen als diesen doppelten Beweis der Lebendigkeit seiner Musik?