2.3.2009

Zürichsee-Zeitung

Mit Brahms befreundet

Der eube stammt vom Zürcher Obersee: Joseph Joachim Raff wurde im Jahr 1822 in Lachen geboren. Er machte schnell eine grosse Karriere, nicht zuletzt dank der Förderung durch Mendelssohn und Liszt, dessen Assistent er wurde. 1877 übernahm Raff die Leitung des Hoch'schen Konservatoriums in Frankfurt und führe es zu grossem Ansehen - nicht zuletzt deshalb, weil er zu seiner Zeit einer der meistgespielten Komponisten war und sein Name in der ganzen Musikwelt einen hervorragenden Klang hatte.

Hört man sich die neue CD des Ensembles Il Trittico an, das sich - im künstlerischen Teamwork mit drei befreundeten Musikkollegen - zwei Klavierquintette von Raff vornahm, versteht man diese damalige Wertschätzung auf Anhieb. Immer wieder erinnert diese Musik an Johannes Brahms, und was Satzkunst und Einfallsreichtum, was die ausladende Verarbeitung des motivischen Materials und die Klangfarbenfantasie anbelangt, steht Raff seinem berühmteren Kollegen wohl kaum nach.

Ergänzt wird das Programm mit einem Klavierquintett von Hermann Goetz. Dieser stammt aus Königsberg, studierte in Berlin und übersiedelte 1863 in die Schweiz, wo er Organist in der Winterthurer Stadtkirche wurde und nebenbei Konzertkritiken für die NZZ schrieb. Goetz war mit Brahms befreundet - und auch das hört man seinem Klavierquintett an, das übrigens, neben dem Klavier, nur mit einer Violine (statt der üblichen zwei) mit Viola und Cello sowie Kontrabass besetzt ist.

Genau diese unorthodoxe Besetzung mach den klanglichen Reiz dieser Musik aus. Dass die sechs Instrumentalisten von ihrer Qualität überzeugt sind, hört man ihren Interpretationen an. Mit grösster Sorgfalt achten sie auf das klanglich so diffizile Gleichgewicht zwischen den einzelnen Instrumenten. Enstanden ist eine Einspielung wie aus einem Guss, zumal auch die Klangtechnik und der Booklet-Text in seiner Informationsfülle hohen Ansprüchen genügen.

Werner Pfister

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