Schweizer Uhren, Schweizer Schokolade und Schweizer Käse haben international höchstes Ansehen und bürgen für Schweizer Qualität. Anders ist das bei Schweizer Musik, die in Konzertprogrammen und auf CDs immer noch zu wenig präsent ist, sodass über ihre künstlerische Qualität Uneinigkeit herrscht. Umso verdienstvoller ist es vom Ensemble Il Trittico samt drei befreundeten Musikerkollegen, sich Klavierquintetten von Joseph Joachim Raff und Hermann Goetz anzunehmen. Dass die sechs Künstler von der Qualität dieser Musik überzeugt sind, hört man ihren Interpretationen an. Mit grösster Sorgfalt achten sie auf das klangliche Gleichgewicht unter den jeweils fünf Instrumenten, was bei dem Klavierquintett von Goetz besonders heikel ist, da es mit nur einer Violine, mit Viola, Cello und einem Kontrabass «unorthodox» besetzt ist. Genau das macht den Reiz dieser Musik aus, dieses dunkle, aber durchaus beredte Bassfundament. Bei den beiden Quinetten von Raff denkt man da und dort unwillkürlich an Johannes Brahms, und was Satzkunst und Einfallsreichtum anbelangt, Verarbeitung des motivischen Materials und Klangfarbenfantasie, steht im Raff kaum nach. Das alles wird durch ein wohlausgewogenes Spiel optimal ins richtige Licht gesetzt - eine Entdeckung, die hoffentlich eine Fortsetzung findet.
Werner Pfister