07.18.2001

Neue Zürcher Zeitung

Spielfreude

Neben ihrer überschäumenden Spielfreude und ansteckenden Italianità zählt die besetzungsmässige Variabilität mit zu den Markenzeichen der Sonatori de la Gioiosa Marca. Chamäleonartig treten die temperamentvollen Musiker aus dem Veneto einmal als Barockorchester, dann wieder als Kammermusiker in Erscheinung. Und sie wissen sich zunehmend erfolgreich zu emanzipieren vom Image, das blosse Begleitensemble ihres Mitbegründers, des Geigers Giuliano Carmignola, zu sein, der die Sonatori geformt und geschliffen und mit seinen Einspielungen der Vivaldi'schen Violinkonzerte zu wahren Triumphen geführt hat. Etwas schwieriger dürfte es ... die Einspielungje zweier «Suites théâtrales» und Opernsinfonien des wie die Sonatori aus dem Veneto stammenden Komponisten Agostino Steffani auf dem Tonträgermarkt haben, wenngleich auch diese tadellos gelungen ist und die Musik gewiss zum Spannenderen gehört, was uns das ausgehende Seicento zu bieten hat. Steffani ist zwar ein gebürtiger Italiener, machte jedoch in den siebziger Jahren am Hofe Ludwig XIV. Bekanntschaft mit dem französischen Musikstil, dessen er sich in seinem weiteren Schaffen an den Fürstenhöfen in Hannover und Düsseldorf virtuos bediente. Angesichts der Vitalität udn Originalität von Steffanis Orchesterwerken weist der Basler Musikologe Thomas Drescher in seinem Begleittext mit Recht darauf hin, dass die hervorragende Qualität dieser in französischer Manier gehaltenen Sätze eigentlich neugierig auf die dazugehörigen Opern in italienischer Sprache machen sollte. Wenn wir also dereinst Steffanis «Henrico Leone», «I trionfi del fato» oder «Amor vien dal destino» auf der Bühne erleben werden, so könnte dies mit das Verdienst der Sonatori sein.

Christoph Ballmer

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