Lag's am adventlichen Konzertangebot, nimmt man in Bern die Entwicklungen an der Musikhochschule nicht zur Kenntnis, oder weiss es tatsächlich fast niemand? Weitgehend unbeachtet von einem breiten Publikum etabliert sich in Bern auf höchstem künstlerischen und instrumentalem Niveau eine junge innovative Kammermusikkonzertreihe mit eigenem Ensemble in welchselnden Besetzungen, welches sich der authentischen Interpretation bekannter und verkannter Werke der romantischen Literatur verschrieben hat.
Brahms' Quintett op. 88 Was auf den ersten Blick wenig neue Perspektiven oder gar Aufbrüche zu neuen Ufern verhiess, entpuppte sich beim ersten Hinhören als Entdeckung: Natalie Chee und Uta Kunert, Violinen, Hartmut Rohde und Jakob Lustig, Violen, und Peter Hörr, Cello, liessen Johannes Brahms' Streichquintett in F-Dur op 88, das wir längst zu kennen glauben, jenseits gewohnter permanenter weichzeichnerischer Klangopulenz in konturenscharfer Strahlkraft aufscheinen. Der energische Zugriff und die nicht bloss am Schönklang orientierte Ausdrucksform, die bei der Interpretation der sinfonischen Romantik mittlerweile verbindlich ist, wurden hier konsequent übertragen und verliehen der Deutung Lebendigkeit und Frische. Das Spiel mit dosiertem Vibrato und das aus den leicht tieferen Stimmung der Instrumente resultierende dunklere Timbre öffneten neben der brillanten Leichtigkeit, die dem Ensemble unbenommen blieb, auch den Zugang zu den numinösen Tiefen dieses Werks.
Brahms' einziger Schüler Die souveränen gestalterischen Möglichkeiten erlaubten es der Ausführenden gleichermassen mit kühnen Einfällen, aber auch unüberhörbaren Längen beschatteten Streichquartett in F-Dur des einzigen Brahms' Schüler Gustav Uwe Jenner (1865-1920) eine spannende in sich geschlossene Aufführung widerfahren zu lassen. Dabei machte es der Komponist den Musikerinnen und Musikern des Ensemble Tiramisu mit gewundenen Passagen und bisweilen recht unwirrschen Tempowechseln nicht leicht.