12.2.2002

Neue Zürcher Zeitung

Dialektischer Ansatz | Haydn mit dem Amati-Quartett

Aus Anlass seines zwanzigjährigen Bestehens legt das Zürcher Quartett die drei ersten Nummern von Haydns sechs "Preussischen Quartetten" vor. Von der ursprünglichen Besetzung sind nur noch der Primgeiger Willi Zimmermann und der Bratschist Nicolas Corti geblieben, 1992 ist die Geigerin Barbara Suter durch Katarzyna Nawrotek, der Cellist Johannes Degen durch Claudius Hermann ersetzt worden. Kontinuität ist dennoch ein Markenzeichen des Quartetts geblieben, denn auch in der neuen Besetzung zeichnet sich sein Spiel durch jugendliche Frische und makelloses Zusammenspiel aus. Das auch in der neuen Musik beheimatete Ensemble befreit Haydn vom Vorurteil des Harmlosen und legt Dimensionen der Werke frei, die aufhorchen lassen. In einem dialektischen Dreischritt führen die Spieler das scheinbar Unproblematische immer wieder in ungeahnte Verstrickungen, um daraus auf höherer Ebene erneut ein Leichtes zu erschaffen. Dazu gesellt sich die Fähigkeit, jedem Satz, jedem der drei Quartette sein eigenes Gepräge zu geben. Und schliesslich herrscht ein ideales kammermusikalisches Einvernehmen. Goethe's Bonmot vom Quartett als einem Gespräch von vier vernünftigen Leuten trifft auf das Amati-Quartett in besonderer Weise zu.

T. Schacher

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