10/1996

L'eveil Culturel

Bartoks Streichquartette gelten mit Recht als die bedeutendsten Schöpfungen dieser Gattung unseres Jahrhunderts. Obwohl sie klassische Formelemente aufnehmen, sind sie geprägt von einer höchst individuellen Klangsprache und einer neuartigen Rhythmik, die ihrerseits ihre Wurzeln im musikalischen Substrat von Bartoks Heimat haben. Kaum eine namhafte Quartettformation, die sich denn nicht mit diesen Meilensteinen innerhalb der Quartettliteratur auseinandersetzt. Das Amati Quartett, das auf zürcherisch-baslerischer Achse operiert, hat sich nach verschiedenen Wechseln an den Pulten wieder konsolidiert und gilt heute, gestärkt aus diesem Prozess der Instabilität hervorgegangen, als eines der ausgezeichneten Quartette unter den jüngeren Formationen, an denen zur Zeit wahrlich kein Mangel herrscht. Mit souveränem Spiel und unzimperlicher Attacke, die auch den aufgerauhten Klang nicht scheut, kommen sie der Widerborstigkeit der Bartokschen Quartette in idealer Weise entgegen. Die vier Musiker werden der hochdifferenzierten Rhythmik ebenso spielend gerecht wie den kantablen, lyrischen Momenten, den emotionsgeladenen Partien der Zerissenheit ebenso wie den wenigen Momenten der fast ätherischen Entrücktheit.