26.1.2008

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Zephir kehrt wieder und mit ihm die schöne Zeit

Was nach Monteverdi kam: Venezianische Sonaten mit den Sonatori de la Gioiosa Marca

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts haben die Macht und Herrlichkeit der Venezianischen Republik erheblich an Glanz verloren. Ihre militärischen Kräfte sind auf verschiedenen Schlachtfeldern Europas erschöpft, fünfzigtausend Einwohner verliert allein die Stadt Venedig durch eine Pestepidemie, die sechzehn Monate lang wütet. Ihr erliegen einige der besten Musiker Venedigs.

Doch es ist die Musik, die von neuer Hoffnung kündet. Nachdem die Seuche besiegt worden ist, errichten die Bürger Venedigs die Basilika Madonna della Salute am Canal Grande. Und bei der Danksagungszeremonie, zu der sich im November 1631 alle Überlebenden der Stadt im Markusdom einfinden, erklingt von Claudio Monteverdi: "Zephir kehrt wieder und mit ihm die schöne Zeit."

Von dieser Wiederkehr handelt die Musik dieses Albums. Man hört die Stücke, die aufeinanderfolgen wie Lichterkränze eines Höhenfeuerwerks, mit zunehmender Verwunderung: Wenn das Musik aus einer Krisenzeit ist, wie klängen dann wohl Hymnen auf das Glück? Die Instrumentalstücke stammen von Kompnisten, die zum Teil noch in die musikalische Schule Monteverdis gingen, mit ihren eigenen Werken aber schnell aus dem Schatten des epochalen Meisters traten, der 1643 starb.

Das Programm eröffnen die Ersteinspielungen dreier Sonaten Giovanni Giacomo Arrigonis, der aus Mailand stammt und vor allem mit vokalen Kammermusiken Aufsehen erregte. Hier singen noch die Violinen mit Verve über einem kontrapunktischen Orchesterstimmengeflecht, das sich immer wieder im Jubelstrahlen der Melodien löst. Auch die anderen Komponisten stehen mit ihren Karrieren und Werken für die neuen musikalischen Strömungen aus allen Ecken Europas, die sich in jenen Jahren in Venedig bündeln, wo zur gleichen Zeit das Musiktheater aufblüht . Diese Sammlung von Instrumentalstücken bereitet dem künftigen vokalen Glanz gleichsam ein komfortables Lager. In manchen Stücken ahnt man die Singstimmen wie einen fernen Klang voraus, doch man vermisst sie nicht - die Instrumentalisten sind sich noch selbst genug.

Die bereits entschieden theatralischen Musiksprachen dieser Sonaten bieten reichlich Abwechslung auch für verwöhnte Hörer: virtuose Duelle der Führungsstimmen, breite Chor- und Echopassagen, kriegerische Drohgebärden und leichtfüssige Tanzrhythmen: Stimmungsmusik auf hohem Niveau, zündend musiziert dem Ensemble Sonatori de la Gioiosa Marca, das aus Venedigs Hinterland stammt.

Andreas Obst

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