2/2000

Programmzeitung

Italienische Orgelmusik

Puristinnen mögen über die Werke des Organisten und Komponisten Padre Davide da Bergamo (1791-1863) die Nase rümpfen, doch sie machen Spass. Wenn sich der geistliche Herr im Gottesdienst an sein Instrument setzte, waren keine frommen Choräle zu hören. Seine Musik war von der Oper inspiriert, seine Suonatinen und Elevazionen sind Belcanto pur auf der Orgel. Die Sinfonia D-Dur etwa ist hörbar inspiriert von Rossini, den er verehrte. In anderen Stücken wird der Einfluss Donizettis bestimmend, mit dem er studiert hatte. Seine Musik hat alle Attribute des Genres, leidenschaftliche Bewegung, gefühlvolle Kantilenen und einen Hauch von Trivialität, die gelegentlich die Erinnerung an Jahrmarktsorgeln weckt. Besonders hübsch ist die Imitation von Hirtenmusik in «La vera priva montanara», etwa überraschend die «Sinfonia con il tanto applaudito inno Populare» mit der damals österreicherischen, heute deutschen Nationalhymne. Gewiss ist Padre Davides Werk keine grosse Musik, aber liebenswert. Divox hat für seine breit angelegte Serie mit italienischer Orgelmusik auf historischen Orgeln den komponierenden Franziskaner wieder entdeckt. Andrea Marcon, Dozent an der Basler Schola Cantorum, interpretiert einige seiner Stücke auf einer Orgel der Brüder Serassi von 1858 und reizt dabei den erstaunlichen Farbenreichtum dieses Instruments genüsslich aus.