26.2.2003

Neue Zürcher Zeitung

Préludes choisis

Als der deutsche Pianist Christian Zacharias vor nicht allzu langer Zeit Präludien aus dem "Wohltemperierten Klavier" von Bach mit ausgewählten "Préludes" von Debussy in spannungsvollen Zusammenhang brachte, hätte man eher ein Bach/Chopin Programm erwartet, denn im Verlauf dieser Zyklen lassen sich ja auch tonartliche Parallelen verfolgen. Diesem Reglement folgt nun eine von der Idee her hochinteressante, im Bereich der Darstellung anständige, klanglich und rhetorisch nicht eben aufregende Einspielung des holländischen Pianisten Jean Goverts auf einem Erard-Hammerflügel. Jeweils 15 Präludien bzw. Préludes aus den beiden Werkreihen wurden von Goverts so gewählt, dass bei Bach die aufsteigende Tonartenfolge - mit Unterbrechungen - eingehalten werden konnte, was bei der Zuordnung der Chopin-Miniaturen zwar Tonartengleichheit zur Folge hat, aber eine gänzlich andere Reihenfolge der ursprünglichen Anordnung. Dies ist freilich kein Makel, denn Chopins Opus 28 ist ja längst nicht so streng angelegt wie Bachs Zyklus BWV 846 bis 869. Und schon immer gestatteten sich die Interpreten ja, für ihren Vortrag jeweils eine Auswahl zu treffen. So empfiehlt sich diese Aufnahme vorallem für musikalische Vergleiche im Hinblick auf unterschliedliche Deutung des "Vorspiel"-Begriffs zweier der bedeutesten "Clavier"-Komponisten.

P. Cossé

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