Oktober 2004

Deutsch: Le Monde de la Musique

Die 40-jährige japanische Pianistin stand bisher nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit, doch dürfte diese Einspielung das Interesse der Musikfreunde auf ihre sehr feinfühlige Ausdrucksweise lenken. In der Haydn-Sonate verzaubert ihr klangvolles und zugleich präzises Spiel auf Anhieb. Nichts Verkrampftes oder Überspitztes ist in ihren Phrasierungen, dafür aber zeugen sie von scharfem Geist und hoher Sensibilität. Man spürt hier den Haydnschen Experimentiertrieb ebenso wie den ausgewogenen Geschmack und die ungekünstelte Interpretation. In den Duport-Variationen zeigt Atsuko Seki jenes kleine Lächeln in den Fingern, das sie von den ersten Noten an als "instinktive" Mozartianerin ausweist. Nichts ist gezwungen oder manieriert an diesem Spiel, das in seiner ungebrochenen Natürlichkeit jedoch keineswegs vergisst, die vielfältigen Facetten der Komposition zur Darstellung zu bringen. Schubert dagegen wird manchen Ohren, welche die strenge Nüchternheit eines Serkin oder die Reinheit eines Lupu schätzen, ein wenig zu süß klingen. Atsuko Seki hütet sich zwar davor, in Sentimentalität zu verfallen, aber ihr weibliches Naturell bricht doch hervor, ohne dass dies irgendwie deplaziert anmutet. Die Interpretation nähert die Stücke der Salonmusik an (was ihnen nicht unbedingt unangemessen ist), bleibt aber aristokratisch. Wer nicht allergisch gegen eine Eleganz mit einer Spur von Affektiertheit ist, wird diesen Wiener Schick durchaus genießen.

Olivier Bellamy (Übersetzung: Konrad Harrer)

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