1. Oktober 2001 / Nr. 228

Sternstunde von Atsuko Seki

Publikum des Klavierabens der Konzertgesellschaft sparte nicht mit Ovationen

Die japanische Konzertpianistin Atsuko Seki bot am Freitag im Giebelsaal einen Klavierabend, der die Zuhörer in zunehmendem Masse faszinierte und nachhaltig beeindruckte.

Dies lag auch an ihrem geschickt auf Steigerung angelegten Programm: von Haydn über Beethoven führte ein geradliniger Weg konsequent zu Schuberts grosser a-Moll-Sonate. Auffallend sensibel, weich im Anschlag musizierte Atsuko Seki Haydns späte c-Moll-Sonate, so dass deren Tiefen-Dimensionen und verborgene romantische Urgründe erlebbar wurden.

Das Publikum folgte dieser Entdeckungsreise erstaunt und fasziniert, denn es gelang hier eine Gratwanderung zwischen Kontrasten: der liebenswerte Charme, die Leichtigkeit und Eleganz des Klassikers auf der einen Seite, schroffe Abgründe, kantige Kontraste bei hartem Zugriff auf der anderen.

So erlebte man eine massgebliche Interpretation wie in einer Sternstunde: voll tiefer Achtung vor den Geheimnissen des musikalischen Kunstwerkes, dem sich die Künsterlin miot ihrer ganzen Kompetenz näherte, bescheiden im Auftreten, doch mit ganzer Hingabe bis an die Grenzen ihrer Leistungskraft. Die romantischen Anklänge strömten wie aus der Seele der Künstlerin, sie verbanden die drei Werke und damit den ganzen Abend zu bezwingender Einheit. Hierbei fehlte nicht die spielerische Leichtigkeit, die hohe Kunst der Verzierungen: sie machte die Gratwanderung im tiefgründigen c-Moll zu einem wohl abgerundeten ästhetischen Erlebnis.

Beethovens herrliche A-Dur-Sonate op. 101, ebenfalls selten zu erleben, geriet unter Atsuko Sekis Händen zu einem neuen Aufbruch in äusserst weiträumige Klang-Welten, die hier mit Seele gefüllt wurden.

Pianistische Höchstleistungen bei bescheidenem Auftreten und überragendem gestalterischen Können gelangen an diesem Abend in beeindruckender Leistungsdichte, besonders im Vortrag der grossen Schubert-Sonate-a-Moll D 485. Die "himmlischen Längen" und sinfonischen Dimensionen dieser fast grenzenlosen Seelen-Landschaft bewältigte die Interpretin teils introvertiert, oft genug auch im dramatisch-expressiven Zugriff - dies alles höchst konzentriert mit geballter Kraft. Die Freunde der Konzertgesellschaft, sonst eher zurückhaltend, feierten solchen Leistungen mit Bravo-Rufen und begeisterten Ovationen.

A.Koe

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