08.11.1995

Neue Zürcher Zeitung

Kammermusik von Jeanne-Louise Farrenc

Um 1850, als die französische Komponistin Jeanne-Louise Farrenc (1804-1875) ihr Nonett Es-Dur op- 38 für Bläserquintett und vier Streicher komponierte, ist gewiss auch langweiligere Musik komponiert worden, die heute fest zum Kammermusik-Repertoire gehört. Das Nonett, bei dessen Uraufführung immerhin Joseph Joachim mitgewirkt hat, ist nach einem kurzem Anfangserfolg in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, wie die erste Einspielung des Werkes durch das Consortium Classicum belegt. Auch wenn das Vorbild Mendelssohn immer wieder deutlich durchschimmert, ist das von eigenwilliger Erfindung und überrascht oft durch originelle Wendungen. Die Chancen des Werkes, Bestandteil des Repertoires zu werden, wären grösser, vermöchte diese Ersteinspielung interpretatorisch besser zu überzeugen. Das Consortium Classicum spielt sauber, aber über weite Strecken spannungslos, als ob es sich um ein weiteres Fliessbandprodukt der Epoche handeln würde. Eine etwas inspiriertere Interpretation erhielt Farrencs Klarinettentrio Es-Dur op. 44 durch den Klarinettisten Dieter Klöcker, den Cellisten Peter Hörr und den Pianisten Werner Genuit. Das Werk selber ist eine kleine Trouvaille.