Nr. 3/ 2011 | 03.07.2011

Schweizer Musikzeitung

Präludien als Schlüsselwerk

Mit vier Solosonaten und den ebenfalls unbegleiteten 24 Präludien op. 100, zwei Sonaten mit Klavierbegleitung, einem Konzert und einer Fantasie nimmt das Cello im Schaffen des polnisch-russischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (Moisej Wainberg) eine wichtige Stellung ein. Kein Geringerer als Mstislaw Rostropowitsch war von diesen Werken so angetan, dass er sich für sie nachhaltig einsetzte. Ihm zugeeignet sind nebst zwei Sonaten auch die 1969 entstandenen 24 Präludien. Eine sehr gehaltvolle Auswahl von 15 Stücken legt der 1975 in Russland geborene, zuletzt von Boris Pergamenschikow ausgebildete Cellist und Sänger Emil Rovner in einer hoch expressiven Interpretation vor, die wesentliche Merkmale von Weinbergs ausgeprägtem Kammermusikstil erkennen lässt. Ihrer thematisch präzisen Einfälle und spieltechnischen Vielfalt wegen kann diese herausragende Komposition nicht nur zu den Schlüsselwerken des Autors, sondern auch zu den Glanzstücken der gesamten slawischen Sololiteratur für Violoncello gerechnet werden. Spezielle Klangeffekte erzeugen in Nr. 3 das rasche Dialogisieren von Col legno-Repetitionen und Pizzicato, in Nr. 11 die Kombination von Melodietönen mit Tremoli. Die Flageolett-Studie Nr. 14 verbindet Arpeggien mit den für Weinberg typischen Wiederholungen von melodiebildenden Tongruppen. Rovners virtuoses Spiel gipfelt in der souveränen Bewältigung rasender Tempi im stürmischen Bravourstück Nr. 10. Am wirkungsvollsten zur Geltung kommt seine auch in der zweiten Solosonate bis zuletzt angespannte Ausdruckskraft innerhalb der Präludien in nr. 21, die aus Schostakowitschs Cellomusik (Konzert op. 107 und Sonate op. 40) zitiert, und in der mit einer Zwölftonreihe beginnenden, mit dynamischen Extremen gesättigten Nr. 23.

Walter Labhart

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