Alte Musik Aktuell

Kurz vor dem Frieden von Lodi am 9. April 1454 kam die Stadt Treviso zur Terra Ferma, dem italienischen Landbesitz der Republik Venedig. Noch heute zeugt davon der Marcus-Löwe an der Prefettura Trevisos. 200 Jahre später übersiedelt der Barbier und Amateurgeiger Giovanni Battista Vivaldi von Brescia nach Venedig. Sieben Jahre nach der Geburt seines Sohnes Antonio Lucio am 4.3.1678 wird er an der Cappella Ducale als Geiger angestellt. Zwanzig Jahre später gelten er und sein Sohn als die besten Geiger der Stadt. 1725 erscheinen Antonios «Quattro Stagioni» innerhalb seiner op. 8 in Amsterdam. 260 Jahre später gründen ehrere junge Künstler aus der fröhlichen Venetischen Mark, eben der Marca gioiosa, ein Barock-Orchester in Treviso. Und weiter 10 Jahre später erleben wir hier und heute einen Paukenschlag, mit dem der Italiener Vivaldi wiederauferstanden ist. Das ist die vielbesungene italienische Seele, das ist das Licht in Venedig, in der Marca gioiosa, das ist die ewige Faszination für uns alle, die wir nicht das Glück haben, dort zu leben - das Land, wo die Zitronen blühen. Das ist aber auch die logische Folge aus der Tatsache, dass dieser Raum schon immer gute Musiker und die Venezianische Schule hervorgebracht hat. Jetzt sind es die unglaublich guten «Sonatori de la Gioiosa Marca», Giorgio Fava, Luigi Mangocavallo, Enrico Parizzi, Walter Vestidello, Alberto Rasi, Giancarlo Rado und Andrea Marcon. Die Gruppe kennt sich seit Jahren, teilweise sogar aus gemeinsamen Kindertagen im Sandkasten. Sie sind alle aus Treviso, einer Stadt in der Kultur hochgehalten und gefördert wird - eine Kulturstadt mit allen positiven Attributen, Kultur um ihrer selbst willen, nicht als Attraktion. Die Gruppe spielt absolut ausgereift, voller Wärme und überschäumender Spielfreude. Sie lieben es, ganz einfach miteinander zu musizieren, das merkt man. Und weil es ihre Musik ist, die Musik ihres Landstriches, gelingt es ihnen auch so gut. Natürlich wurde auch hart gearbeitet, technisch sind diese Künstler perfekt. Doch hier ist nichts manieriert oder auf vordergründige Effekte und Affekte hin abgestellt, kein Brillantfeuerwerk an unerhörten und ungehörten Innovationsexplosionen, Provokation als Markenzeichen und Aushängeschild - einfach nur Musik, Harmonie, Leben. Und dann ist da noch Giuliano Carmignola. Er ist ein Phänomen. Es ist fas unmenschlich wie gut er ist. Er spielt fehlerlos und mit einer Lockerheit, die einen fürchten mach Er steht in der Tradition der grossen Italiensichen Geiger. Zusammen mit den Sonatori ergibt dies eine derartige Brisanz, dass die Bombe schliesslich hochgehen musste: die bislang beste Einspielung der Vier Jahreszeiten! Vor ungefähr