Auf den Spuren der menschlichen Leidenschaften - diesem Thema hat sich längst nicht nur die Vokalmusik gewidmet, im Speziellen die Oper, sondern auch die Instrumentalmusik. Hier zieht Antonio Vivaldi die Register seiner Theatralik: fünf Konzerte unter dem Titel «Le humane passioni» gibt er zwischen 1720 und 1725 heraus: Charakterbilder, die auf kleinstem Raum in den heftigsten Farben malen. «L'inquietudine», «l'amoroso» oder «il sospetto» - für diese Vielfalt lässt sich Vivaldi wohl auch hier von der Improvisation her leiten, denn nebst dem sparsam notierten tutti ist es vorab die Sologeige, die die Richtung angibt. Und das tut sie in dieser Neuaufnahme kompromisslos: halsbrecherisch in den Skalen, breit in den Klangfarben, mit einem unerhört sicheren Instinkt für die Rhetorik. Möglich macht dies Giuliano Carmignola, der sich erneut mit den Sonatori de la Gioiosa Marca um Vivaldi kümmert. Während das Ensemble in anderer Musik bisweilen etwas blass und auch unpräzise wirkt, scheint man sich bei Vivaldi absolut wohl zu fühlen. Das Team, das in der Schweiz 1994 zu entdecken war, wird weiterhin im Gespräch bleiben: es darf auf CD zukünftig gerne auch etwas jenseits oder diesseits von Vivaldi sein! Die Sonatori de la Gioiosa Marca mit dem Geiger Giuliano Carmignola mit ihrer zweiten Vivaldi-CD bei Divox: mit den Violinkonzerten «Le Humane Passioni».