Klassik Heute

Dass sich eine CD-Produktion mit den Verdiensten eines Instrumentenbauers beschäftigt, ist an sich schon Besonderheit genug. Was diese Aufnahme des vielfach preisgekrönten Gitarristen Stefano Grondona auszeichnet, ist, allerdings noch weitaus mehr: Wenn der 40jährige Italiener Werke von llobet und Tarrega spielt, dann tut er das mit soviel Gefühl für Melodie und Struktur, mit soviel Feinheit in der dynamischen, klangfarblichen und rhythmischen Gestaltung und mit derartiger Noblesse der Tongebung, dass selbst musikalische Halbedelsteine zu glitzern beginnen. Welche tiefe Empfindung scheinbar so Epigonales und Volkstümliches bergen und noch bewegen kann: Wer hierfür nach klingenden Argumenten suchte, der wird sie in Grondonas Interpretationen finden. Nebenbei stellt die CD tatsächlich ein Plädoyer für den spanischen Gitarrenbauer Antonio de Torres (1819-1892) dar, ohne dessen Pionierarbeit weder die hier eingespielten Stücke noch viele spätere Kompositionen für Gitarre entstanden wären. Grondona jedenfalls spielt ein obertonreiches, rund und profund klingendes Torres-Instrument, vor dessen warmem, sprechendem Klang manches hochgelobte zeitgenössische Gitarrenmodell nur neidvoll erblassen kann.