Die Musik Tarregas und Llobets gehört zu den am meisten eingespielten Werken der Gitarrenliteratur. Dies gilt selbstverständlich nur für einen Teil der œuvres beider Komponisten. Einzele Stücke sind weder aus dem Unterricht noch aus der Konzertliteratur wegzudenken. Andere hingegen sind eher unbekannt. Die von Stefano Grondona ausgesuchten Stücke sind den bekannten Werken zuzurechnen. Dennoch wird der aufmerksame Hörer viele seiner altbekannten und vertrauen Melodien hier in neuem Licht (respektive «Klang») entdecken. Dazu trägt meines Erachtens weniger die für die Aufnahme verwendete Gitarre von Antonio de Torres bei. Es ist der musikalische Gedanke, den Grondona vermittelt, der diese CD zu einem überraschenden Erlebnis werden lässt. Viele der kleineren Stücke, wie beispielsweise Tarregas Präludien, erschienen hier weniger als eine Art «Übungsstücke», wie man sie so oft zu hören bekommt. Grondona stellt jedes einzelne stück als auskomponiertes kleines Kunstwerk dar. Sie wirken erfrischend entschlackt und in sich stimmig. Das ist es, was diese CD zu etwas Ausserordentlichem werden lässt. Die Interpretation kennzeichnet sich dabei über weite Strecken durch eine angenehme Ruhe und Wärme aus. Gelegentlich ist für meinen Geschmack etwas zuviel Hall in der Aufnahme, aber glücklicherweise unterstreicht es hier die Charaktere der Musik. Die Wandlungsfähigkeit des Gitarristen, sein Vermögen, sich auf die verschiedenen Ausdrücke einzustellen und sein sicheres Gespür für Melodie und Phrasierungen tragen wesentlich zum Gelingen bei. Mir hat diese CD ausserordentlich gut gefallen und ich möchte sie Ihnen ganz besonders ans Herz legen. Es lohnt sich.