Nr.12 / Dec 2010 | 03.07.2011

Schweizer Musikzeitung

Ausserhalb des Zeitstroms

Für einmal handelt es sich nicht, wie bei Veröffentlichungen neuerer Schweizer Musik leider allzu üblich, um eine Zusammenstellung von Archiv-Aufnahmen, sondern um eine eigens zum Gedächtnis an Jean Perrin (1920-1989), den welschen Komponisten und Pianisten, produzierte CD. Die Aufnahmen stammen von 2007. Das grosse Verdienst der Herausgeber ist dabei, dass man es mit dem gleichen Klangbild und dem gleichen Dirigenten samt Orchester zu tun hat, also nicht veraltete mit modernen Aufnahmen vergleichen muss.

Man kann daher deutlich erkennen, dass der stilistische Wandel in Perrins Schaffen der Jahre 1972-83 sich in Grenzen hält, ja es scheint sogar, dass die älteste Komposition, Konzert für Cello und Orchester, die Grenzen seiner Ausdruckskraft am weitesten zieht. Meisterhaft im Handwerklichen schreibt der Komponist in gewisser Weise immer gleiche Stück. Woher kommt dieser Eindruck? Is es das unausgesprochene "Bis-hierhin-und-nicht-weiter", das vom Formalen über die Harmonik und Stimmführung bis in die Gestalt der Motive hinein sich bemerkbar machtm oder der novemberhaft-allgegenwärtige Blues? Manch einem Musiker wird beim Hören dieser eigentlich schönen Musik das graue, langsam vergilbende Titelblatt einer Schott-Ausgabe in Erinnerung kommen oder ein stiller Nachmittag in einem der zu Perrins Zeiten noch produktiven Radiostudios. Es ist nicht so, dass diese Musik überlebt wäre, nein, sie hat sich von Anfang an aus dem Zeitstrom herausgehalten, ihr Wesen ist Distanz zu einer unberechenbaren Welt. Damit muss sie die leuchtenden Farben eines Ramuz allerdings entbehren.

Die vier Solisten machen ihre Sache im Sinne Perrins sehr gut, einzig der temperamentvolle welsche Posaunist möchte sich mit dem Hochnebel über dem plateau suisse nicht so ganz abfinden und setzt einige wirklich farbenfrohe Akzente, wofür ihm besonders gedankt sei.

Michael Kühn

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