Seltene Werke für Cello und Klavier

Organische Übergänge und Klangschönheiten

Interpretation: 3/5; Klangqualität: 4/5; Repertoirewert: 5/5; Booklet: 1/5

Selten ist die Sonate für Cello und Klavier op. 119 von Sergej Prokofjew zu hören, doch im Falle der Albumblätter op. 51 von Reinhold Glière für die gleiche Besetzung gibt es wohl nur zwei Möglichkeiten: Entweder man lernt sie durch Esther Nyffenegger und Milana Chernyavska kennen oder gar nicht. Auf einer 2007 aufgenommenen CD des Schweizer Labels Divox umrahmen die Albumblätter des Lehrers die Sonate des Schülers, wobei die Reihenfolge der Sätze vertauscht wurde. Da es sich nicht um ein zyklisches Werk handelt, ist gegen diese Anordnung auch nichts einzuwenden, womöglich ist sie sogar ganz klug, denn mit insgesamt knapp 30 Minuten könnte man die zwölf Albumblätter zwar noch am Stück hören, doch aufgeteilt auf zwei Sechsergruppen zu je 14 Minuten kann man die einzelnen Miniaturen noch besser geniessen.

Die bewegten Abschnitte des ersten Satzes der Cellosonate Prokofjews nehmen Nyffenegger und Chernyavska recht schnell, sind jedoch eher um Ausgeglichenheit mit den ruhigen Stellen bemüht, so dass insgesamt der schwermütige Charakter im Vordergrund steht. Der letzte Satz hingegen wirkt hier geradezu verschmitzt humorvoll und stellt so den grössten denkbaren Gegensatz zu einer titanischen Aufnahme mit Msitslaw Rostropowitsch und Swjatoslaw Richter dar, die im Jahre 1950 auch die Uraufführung des Werkes spielten. Im Vergleich zu deren Interpretation sind weniger markante Akzente, sondern organische Übergänge und Klangschönheiten die auffälligsten Merkmale dieser Neueinspielung.

Ansonsten gehen die beiden Künstlerinnen sehr diszipliniert mit dem Notentext um, vielleicht sogar mit ein wenig zu sehr gezähmtem Temperament. Esther Nyffenegger am Cello spielt zwar durchaus kraftvoll, doch die Balance ist dadurch keinesfalls gefährdet. Der Klang der Aufnahme ist im Gegenteil sehr angenehm und natürlich, ein deutlicher Vorzug gegenüber einer ebenfalls neu erschienen Konkurrenzeinspielung mit Gautier Capuçon und Gabriela Montero, die aber dafür musikalisch aufregender geraten ist.

Jan Kampmeier

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