Das Amati Quartett, vor zehn Jahren in der Schweiz gegründet, überrascht immer wieder durch seinen Mut zu unkonventionellen Werkzusammenstellungen, so etwa die Koppelung des populären Ravel-Quartetts mit einem Szymanowksi-Opus. Auf der neusten CD der Schweizer finden sich gleich zwei Raritäten mit interessanten Bezügen zueinander: Das 1924 entstandene Streichquartett von Gabriel Fauré und das fast ein halbes Jahrhundert zuvor entstande Klavierquintett des Belgiers César Franck, bei dem der eigenwillige Schweizer Pianist Werner Bärtschi den Klavierpart übernimmt. Beide Komponisten, Stützen der französischen Spätromantik, kommen von der Orgel her, und die Kammermusik zählt nicht zu den Hauptgebieten ihres Schaffens. Die Koppelung, die übrigens auch auf einer CD des britischen Medici Quartetts zu finden ist, gibt somit interessante Einblicke in einen Randbereich der französischen Musik, der sich stark von der Orchestermusik jener Zeit unterscheidet. Die Interpretationen der Schweizer sind von beeindruckender Geschlossenheit und Homogenität sowohl im Klang als auch im Ausdruck. Die zyklischen Formen beider Werke mit ihrer fliessenden Harmonik werden facettenreich und phantasievoll nachgezeichnet, ohne im musikalischen Nirwana zu verschwimmen. Es sind eher nach innen gekehrte Darstellungen, bei denen die dramatischen Aspekte an manchen Stellen vielleicht eine Spur zu kurz kommen. Franzosen mögen darin einen gewissen Mangel an Idiomatik sehen. Doch die Gelassenheit bekommt meines Erachtens den Werken, vor allem dem Quartett des greisen Fauré, recht gut. Die Klangqualität ist exzellent, das Textheft, samt einigen biographischen Zeilen zu den Künstlern passabel.