3.5.2006

Sächsische Zeitung, Dresden

Seelen-Spiegel

Das Label Divox bürgt für Klangbrillanz. Golden und klar erstrahlt der geschmeidige Sopran von Roberta Invernizzi, die nicht nur bei Vivaldi erste Wahl ist. Hier singt sie Lieder von Giulio Caccini (1545–1618), einem der Reformer seiner Zeit. Seine Neuen Musiken "Le nuove musiche" von 1601, Vorläufer von Monteverdis Madrigalen der "seconda prattica", bahnten Arie und Rezitativ und so der Gattung Oper den Weg. Gesang sollte verständlich sein, Freuden und Nöte der Seele spiegeln. Caccini sollte, dass Verzierung dem Ausdruck diene, nicht der Eitelkeit der Sänger. Invernizzi, meist von Gambe und Laute begleitet, beschwört den Schöngeist einer historischen Moderne.

Jens-Uwe Sommerschuh

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