Professionalität mit dem Eindruck des Spontanen zu verbinden, ist eine hohe Kunst. Das Alte-Musik-Ensemble Diferencias, das in seinem Kern aus vier - teils «a cappella» spielenden, teils aber auch von Fiedel, Glockenspiel, Gesang oder Schlagwerk begleiteten - Blockflöten besteht, stellt sich diesem Anspruch - und löst ihn hier wieder einmal auf fulminante Weise ein. Das Programm der CD «Diferencias» besteht, wie es bei dieser Gruppe üblich ist, aus Werken des 13. bis 16. Jahrhunderts, also des Mittelalters und der Renaissance; im Zentrum stehen mit dem Codex Las Huelgas und dem Cancionero de Palacio zwei Sammlungen aus Spanien, in deren Stücken arabische, jüdische und europäische Stilrichtungen und Ideen zusammenfliessen. Dabei spielen die Musiker um den Basler Blockflötisten Conrad Steinmann nicht nur notierte Musik, sondern sie spielen vor allem mit ihr - und haben spürbar grosse Freude daran, sich auf (zumal klangfarblich) sehr individuelle Weise in das Spiel einzubringen. Das Ergebnis ist auf zeitlose Weise reizvoll: Schliesslich geht es hier weniger um die akribische klingende Rekonstruktion historischer Form-Modelle denn um ein lustvolles Erkunden der Kongruenzen zwischen Alter Musik und «moderner» Spieltechnik. Dabei gilt dem Atem-und Klangraum der Instrumente betonte Aufmerksamkeit ebenso wie den Möglichkeiten und Grenzen der Verzierung und dem Nebeneinander von Notation und Improvisation. Auf diese Weise findet die spanische Kultur der Differenzierung, auf die der CD-Titel anspielt, durchaus auch in der Interpretation eine faszinierende Entsprechung.