Klarinetten- oder Saxophonquartetten hatte die Oboe bislang nichts Adäquates entgegenzusetzen. Zwar komponierte kein geringerer als Beethoven Trios für zwei Oboen und Englischhorn, was aber weitgehend folgenlos blieb, da dieser Ensembleklang mangels Substanz letztendlich nicht befriedigte. Um diesem Mangel abzuhelfen, entwickelte das Zürcher Oboenquartett ein ganz neues Konzept. Erst einmal besann man sich auf den angestammten Bass der Oboenfamilie, das Fagott. Der Clou des Ganzen ist jedoch die Wiederbelebung der in Vergessenheit geratenen Tenor-Oboe. Dieses eine Oktave tiefer als die «normale» Oboe klingende Instrument besetzt in idealer Weise zusammen mit dem Englischhorn die Mittelstimmen zwischen Diskant und Bass. Darüberhinaus bereichert das Instrument mit seinen ganz eigenen eindringlichen Tönen die Klangpalette der Oboenfamilie ganz ungemein. Mangels Originalliteratur ist man natürlich in erster Linie auf Bearbeitungen angewiesen. Mit Adaptionen von Dvoraks Streichquartett op. 96 und vier Stücken aus Janaceks Klavier-(Harmonium)-Zyklus «Auf verwachsenem Pfade» bietet das Ensemble zwei überzeugende Beispiele aus eigener Feder. Vom slowakischen Komponisten Juraij Filas stammt das dreisätzige Quartett «Liebe gute Freiheit», das er für das Zürcher Oboenquartett schrieb. Eine frühere Fassung für Oboe, Englischhorn und Fagott entstand 1993. Die vorliegende Version wurde im September 2000 in Basel uraufgeführt. Filas erweist sich als subtiler Klangmaler slawischer Prägung, der die Möglichkeiten des Ensembles trefflich in Szene setzt. Die vier Musikerinnen und Musiker bestechen durch perfekte Instrumentenbehandlung, Musikalität und traumwandlerisch sicheres Ensemblespiel. Mit seinen vom Pariser Atelier Gérard Fossati massgeschneiderten Instrumenten erreicht das Quartett einen in sich geschlossenen Gesamtklang von besonderer Qualität. Eine hochinteressante Bläserproduktion!