5/1997

Fonoforum

Längst ist sie kein Geheimtipp mehr, die 1983 gegründete italienische Formation mit dem «fröhlichen» Namen. Und die jüngste Produktion, sechs «Concerti per leSolennità». Antonio Vivaldis Konzerte für kirchliche Festtage, bestätigen den hervorragenden Ruf des Ensembles aufs neue. Bereits die Disposition der Werke verrät ein kluges, genau durchdachtes Konzept, das dann erfreulicherweise ebenso klug und absolut überzeugend umgesetzt wird. Vivaldis stilistische Vielfalt, seine enorme Ausdrucksbreite und seine Fähigkeit, die einmal gefundene Form des Concertos in immer wieder neuem Licht vorzuführen, wird glaubwürdig belegt.

Das beginnt mit dem sehr virtuosen, klangsinnlichen D-Dur-Concerto RV 212, dessen zweiter Satz, ein rhapsodisches Accompagnato-Rezitativ, in der hier präsentierten Form im Rahmen der neuen Aufführungsgeschichte zum ersten Mal zu hören ist. Und es endet mit dem prächtigen, prunkvollen Concerto in D-Dur RV 208, das den merkwürdigen Beinamen «Grosso Mogul» trägt und Vivaldis Sinn für Klangregie eindrucksvoll zeigt. Dazwischen das lichtdurchflutete, intime «il Riposo» RV 270, fast schon eine Spärenmusik, oder das theatralisch-dramatische Concerto D-Dur RV 282. Das Ensemble Sonatori de la Gioiosa Marca, allen voran der phänomenale Geiger Giuliano Carmignola, kennen keinerlei technische Barrieren. Ihr Spiel ist vital und ausdrucksstark, opulente Klanglichkeit korrespondiert mit sorgfältig ausgefeilten, liebevoll gestalteten Details, der betont sprechende Charakter in den langsamen Sätzen (glänzend gelungen im Grave aus RV 212) mit dem feierlich-festlichen Glanz der Doppelchörigkeit. Mit ausgeprägtem Gespür für die Balance zwischen Solo und Ripieno, mit klug angelegten Steigerungen und Abstufungen, einer sehr effektvollen Klangregie und einer enormen dynamischen Bandbreite beweist das Ensemble seine Fähigkeit zur inneren Konzentration und Gestaltung aus der Musik heraus. Den letzten Glanzpunkt setzt dann freilich Giuliano Carmignola mit seiner unglaublichen Virtuosität. Zudem: Kein Effekt verselbständigt sich, jede Nuance dient der Vertiefung des musikalischen Gehalts. Eine Aufnahme, die ich wärmstens empfehlen kann.