26.02.1997

Basler Zeitung

Per la Solennità

Wenn die Republik Venedig ihre Heiligen an kirchlichen Feiertagen mit musikalischem Gepränge feierte, gab Vivaldi sein Bestes. Als Komponist der «Concerti per la solennità» und mitunter auch als glamouöser Geigensolist. So 1712 beim Fest zur Überführung der heiligen Zunge des Antonius von Padua. Es ist wohl kein Zufall, dass Vivaldi hier eine der schwierigsten Kadenzen aller Zeiten speziell für seinen wortmächtigen Namenspatron entwarf. Erstmals in der modernen Aufführungsgeschichte wagen sich die «Sonatori de la Goioisa Marca» und ihr Primgeiger Giuliano Carmignola nun an die Originalfassung von Vivaldis Antonius-Konzert. Der virtuose Zugriff setzt die kontrast- und ornamentreiche Musik unter starke Spannung. Die expressiven Ausdrucksmittel sind bei Carmignola und seinen Kollegen ganz vom Instrumentalen abgeleitet und werden auf den barocken Streichinstrumenten variantenreich und technisch exzellent umgesetzt. Prchtvolle Stimmfülle erklingt für San Lorenzo. Die heitere Transparenz der gedämpften Instrumente ehrt die Heilige Familie: Da ist keine Spur vom stereotypen barocken Einheitsklang. An Temperament und zündender Musikalität im vorbildlichen Zusammenspiel sind die «Sonatori» kaum zu übertreffen.