Der 1982 mit 90 Jahren verstorbene Philipp Jarnach wurde zweimal bekannt. Einmal vor dem deutschen Geschichtssturz, als er 1926 den «Doktor Faustus» seines Lehrers Ferruccio Busoni zur Aufführungsreife brachte. Nach 1945 machte er unrühmlich von sich reden, als er, Direktor der Hamburger Musikhochschule, die wissenschaftliche Aufbereitung des Werkes seines emigrierten Studienfreundes Kurt Weill für überflüssig erklärte. Die erstmals gebotene Auswahl aus seinem kammermusikalischen Vokal- und Instrumentalwerk erklärt Jarnachs Verhalten: Er war von Busonis «Junger Klassizität» so beeindruckt, dass er Formenstrenge mit grösster Ernsthaftigkeit des Ausdrucks verband. Weills Ausflüge ins Ironische, Triviale einer Unterhaltungskunst konnte er nicht billigen. Diesem oft melancholisch gefärbten Ernst wird die Disc glänzend gerecht, sie spiegelt auch Jarnachs Herkunft aus dem französischen Impressionismus. Der Bariton Martin A. Bruns, mit idiomatischem Französisch aufwartend, Flötist Heinricht Keller und die Doppelbegabung Kolja Lessing bringen Jarnach eine berechtigte Ehrung dar.
Interpretation: 9, Klangbild: 10, Repertoire: 10