11/1994

Stereoplay

Mit dem Werk von Wolfgang Amadé, zunächst, haben diese Stücke kaum etwas gemein: Denn als der Sohn (1791-1844) im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zu komponieren begann, war die Musik seines Vaters so mausetot, wie es für die Bachsöhne die von Johann Sebastian gewesen war. Dafür hat Franz Xaver, der den Unterricht der besten Lehrer (Haydn, Hummel, Albrechtsberger, Salieri) genoss und auch ein herausragender Klaviervirtuose war, jenen Komponisten, der die Fackel vom Vater übernommen hatte, um so genauer studiert: Beethoven. Schon der Variationensatz im Klavierquartett des Elfjährigen (!) erinnert mit der innigen Stimme des Herzens und der Seele, die da erklingt, aber auch mit der volkstümlichen oder - sagen wir's offen - etwas kindischen Melodik an schwächere Hervorbringungen der frühen Beethovenschen Kammermusik. In späteren Werken finden sich dann Anklänge an Schubert, den Mozart wohl persönlich gekannt hat, aber durchaus auch eigenes, das oftmals freilich einer gewissen Neigung zum kompositorischen Hasard entsprungen ist. Fazit: ein achtbarer Meister dritten Ranges, den wohl weniger die erdrückende Konkurrenz in der eigenen Familie als das Pech, zur falschen Zeit geboren zu sein, darum gebracht hat, der Nachwelt auch heute noch, wie etwa Wilhelm Friedemann Bach, zumindest ein «Begriff» zu sein. Gute, frische Interpretationen mit gelegentlichen, willkommenen Manierismen, staubtrockene Akustik, die die Instrumente aber konturenscharf klingen lässt.