8/1994

Frankfurter Allgemeine

Für Franz Xaver Mozart wurde der übermächtige Vater zur lebenslangen Bürde: Als Pianist und Lehrer hoch geschätzt, gelang es ihm als Komponisten nicht, aus dem väterlichen Schatten zu treten. Gleichwohl übertreibt sein Lehrer Antonio Salieri kaum, wenn er Mozart junior, dessen 150. Todestag am 29. Juli unbeachtet blieb, ein «seltenes Talent» bescheinigt. Sein Opus 1 jedenfalls, das schwungvolle, fast dramatische Klavierquartett g-Moll mit brillantem Klavierpart nach der Art seines Lehrers Johann Nepomuk Hummel, ist eine erstaunliche Leistung des Elfjährigen. Ausser diesem Frühwerk mit Erinnerungen an das väterliche g-Moll Klavierquartett KV 478 enthält die erste Gesamteinspielung von Franz Xaver Mozarts Klavier-Kammermusik die beiden einfallsreichen und satztechnisch gelenkigen, aber konventionelleren Violinsonaten B-Dur op.7 und E-Dur op.19 sowie die dankbare, den Beethoven-Ton weicher, eleganter aufgreifende Cellosonate F-Dur op. 15, die im ausdrucksvoll verinnerlichten Andante espressivo schon romantisch anmutet. Das Ravinia-Klaviertrio musiziert mit dem Bratscher Hartmut Rohde die repertoirebereichernden Fundstücke enthusiastisch und klangsatt.