Joseph Joachim Raff

(1822—1882)

{ Biography }

Joseph Joachim Raff wuchs in Lachen am oberen Zürichsee auf. Sein Vater, der Schulmeister (ab 1817 angestellt) und Musiklehrer Franz Josef Raff, war 1810 vor einer württembergischen Zwangsrekrutierung in die Schweiz geflüchtet, wo er in Lachen die Tochter des Ochsenwirts in Lachen, Kanton Schwyz, Katharina Schmid, heiratete. 1838 zog er nach Schmerikon, dann nach Schwyz. Die bescheidenen Einkünfte als Schulmeister erlaubten es ihm nicht, seinem Sohn Joachim eine umfassende Schulbildung angedeihen zu lassen. Früh übte sich der Knabe indessen im Geigen-, Klavier- und Orgelspiel.

Als der päpstliche Nuntius in einer amtlichen Angelegenheit eines Dolmetschers bedurfte, trat Joachim mit 18 Jahren als dessen Begleiter ins Erwerbsleben ein. Er bewährte sich ausgezeichnet und wurde noch im gleichen Jahr Lehrer in Rapperswil. Seine Gedanken galten jedoch der Musik und schon vier Jahre später befreite er sich vom Schuldienst. In Folge eines Jugendstreichs wurde er als „unerwünschter Ausländer“ aus dem Kanton Schwyz ausgewiesen. In Zürich schlug er sich mit Stundengeben durch. In Basel begegnete er Franz Liszt. Er wollte Liszt anlässlich eines Konzertes in Basel erleben und sehen. Da er kein Reisegeld hatte, marschierte er bei strömendem Regen zu Fuß nach Basel. Leider waren alle Plätze ausverkauft, aber Liszt erfuhr von seinem Verehrer, ließ ihn zusätzlich in den Konzertsaal und gab ihm einen Spezialplatz auf der Bühne. Durch Liszts Vermittlung erhielt Raff eine Anstellung in einer Kölner Musikalienhandlung. Damit endete seine Schweizer Zeit.

Raff war im Wesentlichen Autodidakt. Doch schon seine ersten Kompositionen ließen eine große Begabung erkennen. Im Bestreben, sich möglichst rasch finanziell unabhängig zu machen, verfiel er in ein wahres Kompositionsfieber und produzierte wie am Fließband, was für seine künstlerische Entwicklung wenig förderlich war. Auf Mendelssohns und Liszts Empfehlung erschienen bei Breitkopf erste Kompositionen im Druck. 1850 holte ihn Franz Liszt nach Weimar. Als dessen Sekretär und Assistent hatte er vor allem die Instrumentation von Liszts Orchesterwerken zu besorgen, was ihm zwar keine Lorbeeren, aber reichlich Erfahrung eintrug. In Weimar komponierte Raff seine erste Sinfonie. Seine Oper König Alfred erlebte einen durchschlagenden Erfolg. Die Sinfonie Im Walde wurde zu einem richtigen Bestseller und verbreitete seinen Ruhm rasch.

Später kam es zu Differenzen zwischen Liszt und Raff, worauf dieser seine Stellung aufgab und sich nach Stuttgart begab. Hier lernte er Hans von Bülow kennen, der sein Förderer und langjähriger Freund werden sollte. Nach einer Anstellung in einem Verlag in Hamburg und einer weiteren Zusammenarbeit mit Franz Liszt in Weimar übersiedelte er nach Wiesbaden. Hier wirkte er bis 1877. Neben seiner Tätigkeit als Lehrer für Klavier sowie Dozent für Harmonik gilt diese Zeit als seine produktivste Phase kompositorischen Schaffens. Der zunehmende Erfolg seiner Werke erlaubte es ihm, ab Anfang der 1870er Jahre als freischaffender Komponist zu arbeiten.

Im Jahre 1878 folgte er der Berufung zum ersten Direktor des Hoch'schen Konservatorium in Frankfurt am Main, das dank seines Wirkens recht schnell einen internationalen Ruf erlangte. Damit hatte sich sein sehnlichster Wunsch nach einer gesicherten Existenz erfüllt. Während fünf Jahren bewies er seine großen Fähigkeiten als Pädagoge und Organisator und war als Komponist und Konservatoriumsdirektor hoch angesehen. Weggefährten dieser Zeit waren unter anderem Clara Schumann und Julius Stockhausen.

Joachim Raff verstarb 1882 an einem Herzinfarkt in seiner Frankfurter Wohnung. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung trug man ihn auf den Frankfurter Hauptfriedhof (Grablage: Gewann D 298)[1]. Beileidsbezeugungen aus der ganzen Welt trafen ein. Dann wurde es allmählich still um ihn. Seine noch um die Wende zum 20. Jahrhundert in den Konzertsälen heimischen Werke fielen bald in Vergessenheit. Zum Anlass seines 150. Geburtstages wurde 1972 in seinem Geburtsort Lachen ein Denkmal enthüllt.

Raff war vielseitig und produktiv und fiel seinen Zeitgenossen durch seinen scharfen Intellekt auf. Er galt zu Lebzeiten als einer der gefragtesten Komponisten des deutschen Kulturraums und wurde von zeitgenössischen Kommentatoren in eine Reihe mit Wagner und Brahms gestellt. Sein kompositorisches Schaffen umfasst Opern, Sonaten, Sinfonien, Instrumentalkonzerte, Suiten sowie Ouvertüren und Kammermusik. Seiner Orchestrierungskunst sind auch die Erstfassungen der frühen Sinfonischen Dichtungen Franz Liszts zu verdanken, die von diesem nur am Klavier konzipiert und von Raff nach Vorgaben Liszts orchestriert wurden.

Mit der Wiederentdeckung der Romantik und unterstützt von der Schallplatte scheint sich heute eine Aufwertung seines Schaffens anzubahnen. Nicht alles, was Raff schrieb, ist von gleichem Rang. Überstrapaziert versickerte zeitweilig die schöpferische Quelle. Seine besten Kompositionen zeichnen sich aber durch eine reiche künstlerische Anlage und Ausdruckskraft aus. Mit Geschmack hatte er es verstanden, Formen des damals verpönten Barocks und der Klassik mit dem Gedankengut seiner Zeit zu verbinden.

Quelle: Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Raff

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RAFF PIANO QUARTETS Joseph Joachim Raff

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Raff Klavierquartette
Swiss Piano Quintets Hermann Goetz | Joseph Joachim Raff

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Ensemble Il Trittico