07.08.1996

Neue Zürcher Zeitung

Elf Werke von René Leibowitz (1913-1972): Klaviermusik, Kammermusikwerke, Vokales. Enstanden zwischen 1944 und 1970, zum überwiegenden Teil in den sechziger Jahren, tragen sie die Lasten von Nachahmungen. Man kann bei fast jedem - in Manier, Titelgebung, Besetzung - auf das Modell bei Schönberg schliessen. Bei aller satztechnischen Virtuosität herrscht der Eindruck des Immergleichen vor. Da ergibt sich wenig an Variabilität des «Tonfalles», der «Manier». Die «Suite» op. 81 für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass ist mit zwölf Minuten weitaus das längste Werk und im Höreindruck das mühsamste. Ein (satztechnischer) Kleinmeister, der nach dem Zweiten Weltkrieg seine Verdienste als Lehrer, als Dirigent und Schönberg-Apologet in Paris hatte, über den die Zeit hinwegegangen ist. Aufhorchen mag man bei dieser Sammlung bei den drei «Chansons Dada» op. 76b nach «De nos oiseaux» (1921) von Tristan Tzara. Da lässt Leibowitz in Tonfall und Gestik seine Schönberg-Abhängigkeit weitgehend hinter sich. Die instrumentalen Interpretenleistungen stehen durchweg auf hohem Niveau. Die (deutschsprachigen) Vokalinterpreten hätten noch etwas Unterweisung in französischer Diktion benötigt.