René Leibowitz (1913-1972) war Komponist, Musiktheoretiker, Dirigent und Lehrer gewesen. Nach dem Krieg unterrichtete er als Kompositionslehrer in Paris. Den Lehrer haben manche seiner Schüler freilich gehasst. Pierre Boulez etwa nannte ihn schlicht doktrinär. Boulez hatte allerdings schon 1951 in einem Vortrag erklärt, Schönberg sei tot, während Leibowitz am Systems Schönbergs festhielt. Und zwar als Lehrer wie als Komponist. Als Komponist war Leibowitz ein Theoretiker (was nicht abwertend gemeint ist), für den Schönbergs System jenes Gleichgewicht zwischen Freiheit und Ordnung brachte, das es zur Grundlage weiterer kompositorischer Arbeit zu machen galt. Boulez hingegen begriff die Zwölftonmusik als Befreiungsleistung nicht als für die Moderne gültige Ordnung: sie war in dem Sinne fortzusetzen, dass jedes Werk seine eigene Ordnung zu entwickeln haben würde. Obwohl von Adorno geschätzt, konnte sich Leibowitz gegen den Siegeszug der Darmstädter nicht behaupten und verschwand als Komponist. Eine CD des «ensemble aisthesis» versucht jetzt mit Kammermusik eine Rehabilitierung, zurecht, denn verstaubt akademisch ist diese Musik keineswegs.