Dass der Dirigent René Leibowitz (1913-1972) auch zahlreiche Kompositionen geschrieben hat, ist wenig bekannt. Dies hängt sicherlich damit zusammen, dass Leibowitz sich nicht nur als Orchesterleiter für die Aufführung von Werken speziell Arnold Schönberg eingesetzt hat, sondern sich als Komponist vielleicht zu sehr an diesem Vorbild orientierte. Leibowitz war nach dem Zweiten Weltkrieg so etwas wie die französische Instanz der Zwölftonmusik. Das Heidelberger Ensemble «aisthesis» hat nun das aufwendige Unternehmen gewagt, eine Auswahl der Werke von Leibowitz für verschiedenste Besetzungen einzuspielen: «Marijuana. Variations non sérieuse», op. 54 (1960) für Violine, Posaune, Vibraphon und Klavier, zeigt beispielsweise Leibowitz' Experimentierfreude mit unterschiedlichen Klangkoloriten. Und selbst noch in den späten «Tre Intermezzi per pianoforte» op. 87 aus dem Jahr 1970 wird die Auseinandersetzung mit den strengen Formen Arnold Schönbergs deutlich. Insgesamt stellen diese Aufnahmen ein noch wenig erschlossenes Kapitel einer ««kompositorischen Rezensionsgeschichte» der Musik des 20. Jahrhunderts dar.