Sections

8/1999

Klassik Heute

Gewiss ist es nicht ohne Reiz, «westeuropäische» Musik des 15. Jahrhunderts, byzantinische Gesänge und russische Kirchenmusik nebeneinander zu stellen und damit verschiedene stilistische Entwicklungen zu beleuchten. Wenig aufschlussreich wirkt jedoch ein Programm, bei dem die Entstehungszeiten der einzelnen «Strömungen» derart auseinander liegen, dass ein profunder Vergleich eigentlich kaum möglich ist: die raffinierte Kunst der franko-flämischen Schule (hier durch Dufay repräsentiert) und die byzantinischen Gesänge aus dem 7. Jahrhundert, bzw. die russischen Kirchengesänge aus dem 17. Jahrhundert haben höchstens gemeinsame Wurzeln, ihre Entwicklung folgte aber völlig unterschiedlichen ästhetischen, stilistischen und kompositionstechnischen Gesetzen. Es wäre ein passabler interpretatorischer Weg gewesen, diese Kontraste aufzuzeigen - doch gerade dies hat das Ensemble Diferencias nicht wahrgenommen. Die Stücke - genuine Vokalwerke! - erklingen auf Blockflöten, was nach einer Weile ermüdend eintönig klingt. Dies ist aber immer noch besser als die inakzeptablen, weil absolut amateurhaften vokalen Beiträge der Ensemblemitglieder.