Cantio Triplex verbindet drei musikalische Orte miteinander, die äusserlich scheinbar nicht viel miteinander zu tun haben: Einstimmigkeit und ein Kanon aus dem Byzanz des 7. und 8. Jahrhunderts, späte Zeugen mittelalterlicher Polyphonie der russisch-orthodoxen Kirche aus dem 17. Jahrhundert und ein tour d'horizont durch das Schaffen Guillaume Dufays als einem Vertreter der römisch-katholischen Kirchenmusik der Renaissance. Musikalisch augenfällig ist hierbei eher das je Fremde; die Ausführung jedoch mit denselben Instrumenten, und zwar neben Blockflöten auch gelegentlich Glockenspiel, Mittelalterlaute, Fiedel und Stimme, lässt die Kostproben der verschiedenen Repertoires wieder näher zusammenrücken. Der Ausgangspunkt der Programmzusammenstellung ist jedoch eigentlich ein historischer, nämlich die Eroberung des bis dahin christlichen Konstantinopel durch die Osmanen im Jahr 1453. Eine Station ist das vorchristliche Byzanz, die entsprechenden Beispiele sind in Neumen notiert; das Ohrenfällige sind die auf der Blockflöte «gestochen scharfen» Verzierungen, der Kanon darf an Organum erinnern. Zweite Station ist sodann Moskau, das durch das Wegfallen von Byzanz als östlichem Zentrum der Kirche diese Rolle übernehmen sollte. Die zwei- und dreistimmige Polyphonie ist im Satz ähnlich der georgischen Vokalpolyphonie, wie sie auch bei uns gelegentlich zu hören ist. Das ebenfalls in Neumen notierte und in Moskau aufbewahrte Repertoire wurde speziell für diese Aufnahme transkribiert. Als dritte Station könnte man Cambrai nennen, den Geburts- und Wirkungsort Dufay, der - was den Zusammenhang von der westlichen Seite her noch verstärkt - auf das oben erwähnte Ereignis «lamento sancte matris ecclesiae Constantinopolitae» geschrieben hat. Die Musik Dufays ist in ihrer (fast) gesamten Breite zu hören, von der Motette bis zum Chanson, schliesslich auch in einem Fauxbourdon-Sanctus.