Das Italien des 17. Jahrhundert ist in seinen musikalischen Hinterlassenschaften reich an Streichermusik. Zahlreiche Balli, Capricci und Stravaganze sind überliefert. Den herausragenden Beispielen unter ihnen haftet neben einer spieltechnischen Virtuosität immer auch ein Hauch von Exaltiertheit an. Sie sind in Töne gefasste Launen, im Moment des Augenblicks hingeworfene Ideen oder niedergeschriebene Improvisationen. Ein Meisterwerk in dieser Hinsicht ist das Capriccio Stravaganze von Carlo Farina, das aus 13 kleinen Charakterstücken besteht. Es macht wenig Sinn, Ihnen diese 13 Überschriften hintereinander vorzutragen, aber einige seien genannt, um Ihnen die tonmalerische Richtung dieser Musik anzuzeigen. Da gibt es Sätze, die lautmalerisch Instrumente beschreiben wie die Schalmey, die Leyer, die spanische Gitarre, die Flöte oder die hohen Trompeten. Ihnen zur Seite stehen Abschnitte, die Tiernachahmungen, wie einen Hund, die Henne oder die Katze. Und beide Bereiche werden wechselweise ergänzt durch Stücke, die aus dem alltäglichen Lebensumfeld stammen, und das wurde im kriegerischen 17. Jahrhundert massgeblich auch vom militanten Milieu geprägt. Hierzu zählen die Sätze, die das Trommeln der Soldaten und deren Pfeifen, die Heerpauken oder eine Schlacht in Töne wiedergeben. Dass diese bunte Mischung, ja man könnte sagen, dieses musikalische Estradenprogramm allein durch ein Streichensemble daruistellen ist - das macht die besondere Note, eben das Exorbitante, dieser Komposition aus. Carlo Farinas «Capriccio Stravagante» nun gespielt von den Sonatori de la Gioiosa Marca.