06.06.2003

Schweizer Musikzeitung

Erfreuliches vom Amati Quartett

Das Amati Quartett, dessen «harter Kern» aus dem Geiger Willi Zimmermann und dem Bratscher Nicolas Corti besteht, hat trotz der Umbesetzungen an der zweiten Geige und am Cello seinen ursprünglichen musikalischen Charakter behalten können. Da es sich in diesem Fall um einen von Klarheit geprägten Charakter handelt, gibt es Erfreuliches zu melden: Sowohl die beiden Haydn-Quartette als auch die in einfacher und konservativer Tonsprache verfassten Beiträge von Hermann Haller und Wladimir Vogel sind auf der vorliegenden CD in gültiger Weise interpretiert.

Es wäre interessant, eine aktuelle Haydn-Aufnahme dieses Ensembles zum Vergleich heranzuziehen, denn die hier zu besprechende ist schon zehn, resp. zwölf Jahre alt. Vielleicht hat sich jenes Phänomen, welches Nicht-Streicher manchmal erstaunt, nämlich das Heraufdrücken von Dominant-Durterzen in der führenden stimme ganz verflüchtigt. Vielleicht lässt die erste Violine bei aller Brillanz und zugkräftigen Führung zwischendurch auch mal auf Wiener Art fünfe gerade sein. Kurzum, durch das langjährige Zusammenspiel wird es wohl ein bisschen weniger nach Leistung und dafür mehr nach Vergnügen klingen. Dieses Quartett hat grosse Möglichkeiten, so dass man sich auf neue Veröffentlichungen freut.