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PIAZZOLLA | «4 Seasons 4 Guitars»

€ 15.00

Catalogue No.

CDX-25221-2

EAN

7619913252210

DIVOX Rainbow

PIAZZOLLA | «4 Seasons 4 Guitars»

01/2001

Egta Bulletin

Das Eos Guitar Quartet (Marcel Ege, Martin Pirktl, David Sautter und Michael Winkler) widmet die hier besprochene CD dem Komponisten, dessen Name zum Synonym geworden ist für den Tango Nuevo: Astor Piazzolla. Seine vier Jahreszeiten (Estaciones Porteñas) stehen neben Kompositionen von Sergio Assad, Paulo Bellinati, Leo Brouwer und Jacques Demierre. Was macht die Faszination von Piazzollas Musik aus? Die Sinnlichkeit, die rhythmische Vitalität, die harmonische und melodische Raffinesse seiner Stücker erklären vieles, aber nicht das Wesentliche. Piazzolla hat seine Kunst nicht erfunden, er hat sie gelebt, und sein Leben mit allen Empfindungen, aller Freude und allem Schmerz wurde zu seiner Musik. Diese Wahrhaftigkeit berührt. Vor allem, wenn sie so erlebbar wird wie in dieser Aufnahme. Hier wird nicht einfach gut (sehr gut übrigens) Gitarre gespielt, sondern Musik gemacht, die den Interpreten offensichtlich am Herzen liegt. Die ausserordentliche Dynamik und die vielen Tempowechsel verlangen einiges von einem Ensemble. Das EGQ löst diese Probleme souverän und versteht es darüber hinaus, die Ambivalenz zwischen vornehmer Kultiviertheit und lasziver Erotik in Piazzollas Musik hörbar werden zu lassen. Der Schweizer Komponist Jacques Demierre bezeichnet sein Stück «Retrato de A.P.» als Portrait, und so erkennt man auch deutlich die Züge des Vorbildes. Über reinen Eklektizismus geht diese Komposition kaum hinaus, und auch wenn dieser Ansatz nicht sehr originell ist, so ist das Stück als Hommage sehr gelungen. Es macht auch deutlich, wie sehr gewisse Phrasen mit Piazzollas assoziiert werden und seine musikalische Sprache schon Allgemeingut geworden ist. Sergio Assads «Uarekena» ist eine atmosphärisch dichte Darstellung brasilianischer Klänge und Rhythmen. Wer jetzt an Samba und Bossa Nova denkt, liegt allerdings falsch. Das Stück erinnert mehr an eine Fahrt durch den Amazonas als an grossstädtische Kultur. Klangmalereien und stimmungsvolles Wechselspiel zwischen perkussiven und melodischen Passagen machen den Reiz dieses Stückes aus. Die andere, urbane Seite brasilianischer Musikkultur begegnet uns in zwei Stücken von Paulo Bellinati, «a furiosa» und «baião de gude». Hier geht es ziemlich jazzig und mit enormen Drive zur Sache. Das EGQ swingt hier bisweilen so hinreissend, dass man kaum ruhig sitzen bleiben kann. Ein Heidenspass. Dass Leo Brouwer weiss, wie man Gitarren zum Klingen bringen kann, dürfte bekannt sein. In«acerca del cielo, el aire y la sonrisa» hört man so ziemlich alles, was auf diesem Instrument an Klängen möglich ist. Und Leo Brouwer besitzt auch genügend gestalterische Kraft, diese Vielfalt in eine überzeugende Komposition umzusetzen. Oszillierende Klangflächen, schwebende Tremolopassagen und Echowirkungen schaffen eine Stimmung, die den Zuhörer fasziniert und verzaubert. Das EGQ besteht seit 1985, und man hört, dass in dieser Zeit aus vier Musikern ein Ensemble geworden ist, das seinen Klang und seinen Stil gefunden hat. Hervorragende Arrangements und brillantes Gitarrenspiel machen diese CD zu einem Genuss, den sich niemand versagen sollte. Viel Vergnügen beim Zuhören.